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Schlagwort: Museumsgärten

Museumsgarten von Bergles et Schauer

Museum der Gartenkultur: Sehnsuchtsort Garten

Text: Angelika Traub, alle Fotos: Marion Nickig

Das 2013 in Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Gartenkultur eröffnete Museum der Gartenkultur in Illertissen liegt in unmittelbarer Nähe der Staudengärtnerei Gaißmayer. Das Museum ist dabei das Herzstück der vielfältigen Projekte der Stiftung und erstrahlt seit Juli 2025 nun in neuem Glanz.

Stiftung Gartenkultur: Geschichte und Zukunft

Gegründet wurde die Stiftung 2010 von Dieter Gaißmayer, damals wie heute Stiftungsvorstand, Reinhard Hemmer und Wolfgang Hundbiss. Das Kernanliegen war es, gartenkulturelle Traditionen, historische Gartenformen und pflanzliche Vielfalt zu bewahren.

So entstand Schritt für Schritt ein Ensemble aus Schaugärten, Veranstaltungen und Bildungsangeboten, das schon bald weit über die Region hinausstrahlte.

Über die Jahre wurde eine faszinierende Sammlung aufgebaut, die hierzulande ihresgleichen sucht. Sie umfasst über 7.000 Exponate historischer Gartenwerkzeuge, Kataloge und Dokumente gärtnerischer Praxis.

Mittlerweile zählt die Stiftung zu den profiliertesten Einrichtungen für Gartenkultur in Deutschland. Verstärkt widmet sie sich heute auch zukunftsorientierten und zum Teil experimentellen Projekten. Das mittlerweile erweiterte Ziel ist es, die Geschichte und Bewahrung des gärtnerischen Erbes mit modernen Erkenntnissen aus Ökologie und Botanik zu verknüpfen. Zugleich soll nachhaltiges Handeln gefördert werden.

Foto oben: Gegründet wurde die Stiftung 2010 von Dieter Gaißmayer (damals wie heute Stiftungsvorstand), Reinhard Hemmer und Wolfgang Hundbiss, hier Dieter Gaißmayer mit seinen Museumsgästen (Foto: Marion Nickig)

Herzstück: Das Museum der Gartenkultur 

Das nicht-staatliche Museum der Gartenkultur thematisiert seit seiner Eröffnung im Jahr 2013 bereits die Geschichte des Gärtnerns und widmet sich dabei den vielfältigen Facetten der Gartenkultur. Als einzigartiges Spezialmuseum verbindet es klassische, historische Ausstellungselemente mit lebendiger gärtnerischer Praxis. So entsteht eine besondere Form der Wissensvermittlung.

Bisher brachte man das Museum der Gartenkultur vor allem mit jährlichen Themen-Ausstellungen, einem enormen Fundus historischer Exponate, Bildungsangeboten und der umfangreichen Bibliothek in Verbindung. Mit der neuen Dauerausstellung wurde im Juli 2025 zugleich ein wichtiger Entwicklungsschritt vollzogen.

Neue Dauerausstellung: Sehnsucht Garten

Die grundlegend neue Präsentation zeigt ein vielfältiges Spektrum historischer und aktueller europäischer Gartenkultur. Sie bietet einen lebendigen Ort des Lernens, Entdeckens und sinnlichen Erlebens. Viele Exponate überraschen und werfen Fragen auf. Kurze, klug zusammengestellte Informationen geben dabei schnell Orientierung. Sie erschließen Zusammenhänge, ohne didaktisch belehrend zu wirken.

Für die neue Konzeption zeichnet die Kemptener Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Ursula Winkler verantwortlich. Unterstützt wurde sie von Matthias Rausch, Geschäftsführer der Stiftung Gartenkultur. Gemeinsam ist ihnen eine inhaltlich und ästhetisch überzeugende Verbindung von historischen Objekten und modernen Vermittlungsformen gelungen.

Grundidee der Ausstellung ist es, im Rahmen einer Zeitreise einen Erlebnisraum für alle Generationen zu schaffen. Dabei macht die Ausstellung sowohl die Bedeutung von Gärten als auch ihre Faszination auf historische, kulturelle und ökologische Weise erfahrbar.

Foto oben: neue Präsentation zeigt ein vielfältiges Spektrum historischer und aktueller europäischer Gartenkultur (Fotos: Marion Nickig)

Auf einer Fläche von etwa 440 qm werden verschiedene Epochen der Gartenkultur dargestellt. Eindrückliche Bilder, historische Objekte und interaktive Medien führen durch einzelne Erlebnisstationen.

Denn letztlich sind Gärten immer auch Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. So beginnt der Weg beim frühmittelalterlichen Klostergarten des Walahfried Strabo auf der Bodenseeinsel Reichenau. Von dort führt er weiter zu den Renaissancegärten des Architekturtheoretikers Joseph von Furttenbach, anschließend zum Barock und zum Absolutismus des Sonnenkönigs. Danach geht es weiter zum Englischen Garten des 18. Jahrhunderts und schließlich zu den Armen- und Schrebergärten des 19. Jahrhunderts.

Gartenkultur im Wandel: Zwischen Geschichte, Gesellschaft und Gegenwart

Am Ende kommt man in der Gegenwart an. Mit neuen Fragen, gesellschaftlichen Veränderungen und ökologischen Herausforderungen. Alte Gartengeräte, historische Exponate und botanische Illustrationen zeigen die Gartenkultur vergangener Zeiten. Multimediale Stationen ergänzen die Ausstellung und erklären Zusammenhänge anschaulich.

Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich durch verschiedene Themenräume. Dabei stehen unter anderem Themen wie „Garten und Ernährung“, „Garten als Statussymbol“ sowie „Garten und Biodiversität“ im Mittelpunkt.

Ein wichtiger Fokus liegt auf der Rolle des Gartens im gesellschaftlichen Kontext. So macht die Ausstellung deutlich, dass Gärten stets auch Ausdruck ihrer jeweiligen Zeit waren. Sie spiegeln soziale, ökonomische und kulturelle Verhältnisse wider. Das reicht vom klösterlichen Nutzgarten bis zum Ort urbaner Selbstversorgung. Für ein fachkundiges Publikum bieten diese Gegenüberstellungen spannende Einblicke. Sie zeigen, wie sich gärtnerische Techniken, Stile und Ideale im Laufe der Zeit verändert haben.

Gartenkulturell Interessierte erleben hier somit einen Ort mit historischer Tiefe, botanischer Vielfalt und aktuellen Fragen. Zugleich zeigt die neue Dauerausstellung im Museum der Gartenkultur: Gartenkultur ist kein statisches Erbe, sondern ein lebendiger Prozess – geprägt von Tradition und zugleich offen für neue Ideen.

Foto: Gemüsekulturen heute (Foto: Marion Nickig)

Foto: Scheren aus alten Zeiten…. (Foto: Marion Nickig)

Mitmachangebot für Kinder

Sehr am Herzen liegt der Stiftung auch ein lebendiges Angebot für Kinder.

Ab dem Grundschulalter können Kinder gemeinsam mit dem Maskottchen „Antonia Botanika“ im Museum auf Entdeckungsreise gehen. Das ist auch ohne Begleitung ihrer Eltern möglich.

Außerdem können sie das Wurmoptikum inspizieren, durchs Samen-Mikroskop schauen und bei Mitmachaktionen kreativ werden. Dazu gehört auch das neue Format „Gartenentdecker:innen“.

Fotos oben und unten: alte Gartengeräte erzählen Geschichte. (Fotos: Marion Nickig)

Ein Ort der Inspiration

Doch die Ausstellung endet nicht im Museum, sondern setzt sich unmittelbar in den weitläufigen Außenanlagen fort.

Besucherinnen und Besucher können das Gesehene hier im wahrsten Sinne des Wortes weiterdenken. Sie gehen durch die Museumsgärten, betrachten Pflanzen und lassen Gestaltungsideen auf sich wirken.

Die Themen der von Ehrenamtlichen hervorragend gepflegten Gartenkabinette reichen vom klassischen Bauerngarten über Formobst, Arzneipflanzen und Kräuter bis hin zu modernen, ökologisch ausgerichteten Pflanzungen.

Sie dienen als Anschauungsräume. Historische und zeitgenössische Gartenkonzepte werden hier unmittelbar erfahrbar – auch für Menschen, die nicht täglich mit Gartenkultur zu tun haben.

Foto: Dahlienarenamit Polygonum orientale (Orient-Knöterich) (Foto: Marion Nickig)

Foto: Garten der Farben / Färberpflanzen (Foto: Marion Nickig)

Foto: Museumsgarten von Bergles et Schauer (Foto: Marion Nickig)

Foto: Historisches Gemüse (Foto: Marion Nickig)

Foto: Bohnen-Laubengang (Foto: Marion Nickig)

Für interessierte Laien und Fachbesucher eröffnet sich hier ein spannender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Gärten sind nicht nur Orte der Schönheit. Sie sind auch Schlüsselräume. Damit werden sie zu kleinen, aber wirkungsvollen Laboratorien für ein zukünftiges und hoffentlich gesundendes Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Die Infotexte der Ausstellung sind in deutscher und englischer Sprache gehalten. Das Museum ist barrierefrei erreichbar und für Rollstühle geeignet. Führungen durch die Ausstellung und die Museumsgärten können gebucht werden.

Im Foyer befindet sich ein Café, eingebettet in den Glasbau des Museums. Mit Speisen aus regionalen Zutaten und hausgemachten Kuchen lädt es zum Verweilen ein. Drinnen oder unter freiem Himmel. Die Vielfalt der Museumsgärten immer im Blick.

Die Infotexte der Ausstellung sind in deutscher und englischer Sprache gehalten. Das Museum ist barrierefrei erreichbar und für Rollstühle geeignet.

Führungen durch die Ausstellung und die Museumsgärten können gebucht werden. Im Foyer befindet sich außerdem ein Café, eingebettet in den Glasbau des Museums.

Mit Speisen aus regionalen Zutaten und hausgemachten Kuchen lädt es zum Verweilen und Entspannen ein – drinnen oder unter freiem Himmel, die Vielfalt der Museumsgärten immer im Blick.

Bitte Platz nehmen!

Was du bei einem Besuch wissen musst:

Museum der Gartenkultur
Jungviehweide 1
89257 Illertissen
Eintritt 3 Euro, bis 18 Jahre frei

Museumsladen 
Donnerstag bis Samstag: 13 bis 17 Uhr
Führungen
 www.gaissmayer.de

Museumsgärten
ganzjährig kostenfrei geöffnet

Museumscafé
Dienstag bis Samstag: 10 bis 17 Uhr
Sonntag: 11 bis 17 Uhr
An Feiertagen geschlossen